“Technologieaktien bieten immenses Potenzial”

Der Vier-Sterne-Fonds Carmignac Patrimoine zählt mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro zu den größten Mischfonds Europas. Didier Saint-Georges ist Managing Director und Mitglied des Anlageausschusses bei Carmignac. Im Interview mit moneymeets erläutert er, wie sein Haus in einem Umfeld niedriger Zinsen investiert und warum Europa und China von der Schwäche der US-Regierung profitieren könnten.

Monsieur Saint-Georges, Anleger beschäftigt derzeit vor allem die Frage, wie und wo sie bei anhaltenden Niedrigzinsen überhaupt noch positive Renditen erzielen können. Wie lautet Ihre Antwort beim Mischfonds Carmignac Patrimoine?

Didier Saint-Georges: Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen sind die Märkte inzwischen in einem sehr fragilen Zustand. Denn die Zentralbanken haben durch die Liquidität, die sie in risikoarme Anlageformen gepumpt haben, zwei Probleme geschaffen: Erstens haben sie die Investoren aus diesen Anlageformen hinaus- und in riskante Anlageformen wie Unternehmensanleihen und Aktien hineingetrieben, und dort tummeln sich jetzt alle. Zweitens haben sie ein Gefühl von Sicherheit entstehen lassen, und dadurch ist die Volatilität deutlich zurückgegangen. Das Risiko lauert heute also auf zwei Feldern: Liquidität und Bewertung.

Und was folgt daraus für Ihre Fonds-Strategie?

Saint-Georges: Ein sicherer, aber dennoch chancenreicher Investment-Ansatz in diesem Kontext besteht darin, dass man zwei Dinge tut: Erstens sich gegen das Risiko eines Liquiditätsentzugs absichern, durch entsprechende Derivate auf Staatsanleihen, und zweitens bei den Aktien den Schwerpunkt auf Felder legen, die ein langfristiges Wachstum versprechen, das heißt auf Unternehmen, die in der Lage sind, transparent steigende Gewinne zu liefern.

Wo sehen Sie die wichtigsten positiven Trends, auf die Sie derzeit setzen?

Saint-Georges: Auf kurze Sicht spricht der Konjunkturzyklus für zyklische europäische Aktien. Doch das langfristige Potenzial liegt anderswo: Die Technologiesparte birgt weiterhin ein immenses Potenzial, vor allem in Teilsegmenten wie Gaming, Cloud-Computing, Breitbandversorgung, künstliche Intelligenz, oder Datenmanagement.

Investieren Sie noch in Staatsanleihen und wenn ja, aus welchen Ländern?

Saint-Georges: Bei den Staatsanleihen der Industrieländer besteht das Risiko einer Preisanpassung, wenn die Zentralbanken ihre Käufe einstellen oder zurückfahren. Deshalb sind in diesem Bereich nur punktuelle Chancen wirklich attraktiv. Beispielsweise sehen wir die jüngste Ausweitung der Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, für italienische Staatsanleihen als übertrieben an, und deshalb sind wir dort wieder eingestiegen. Doch im wesentlichen sind es Staatsanleihen von Schwellenländern, die wir als chancenreich ansehen. In vielen Fällen haben sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten dort verbessert, die Realzinsen sind substanziell, und bei der Inflation gibt es Luft nach unten.

Wie schützen Sie das Portfolio vor drohenden Zinssteigerungen?

Saint-Georges: Das Risiko ist derzeit bei den deutschen Staatsanleihen am deutlichsten. Wir verfolgen deshalb Strategien einer direkten Absicherung gegen dieses Risiko, indem wir Terminkontrakte auf deutsche Staatsanleihen verkaufen. Die Konsequenz ist, dass wir in dieser Anlageklasse eine negative modifizierte Duration fahren. Mit anderen Worten, wir werden von steigenden Zinsen profitieren, wenn es dazu kommt.

Der Carmignac Patrimoine hat ein Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro. Können Sie bei dieser Portfoliogröße überhaupt noch in Aktien von mittelgroßen und kleinen Unternehmen investieren?

Saint-Georges: Historisch lag der Schwerpunkt des Fonds stets auf mittleren und großen Werten. Das hat mit unserem Investmentansatz zu tun, bei dem Top-Down-Erwägungen eine große Rolle spielen. Trotzdem haben wir in Phasen, in denen ein großer Anteil des Portfolios in sehr liquide Assets wie Staatsanleihen oder Cash investiert war, manchmal auch auf kleinere Werte gesetzt, die uns chancenreich erschienen. Einige davon haben sich im Laufe der Jahre zu sehr erfolgreichen Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung entwickelt. Doch von seiner Konstruktion her investiert der Fonds eher in Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung.

Wie beurteilen Sie das Ergebnis der Bundestagswahl in Deutschland? Besteht nun die Chance für eine gestärkte deutsch-französische Zusammenarbeit mit positiven Impulsen für Europa?

Saint-Georges: Es wird entscheidend sein, was die Verhandlungen zwischen Angela Merkel, der FDP und den Grünen ergeben. Auf der anderen Rheinseite weiß Emmanuel Macron genau, dass Frankreich in wirtschaftlicher Hinsicht „deutscher“ werden muss. Er beweist durch ein sehr aktives und tiefgreifendes Reformprogramm, dass es ihm ernst ist mit diesem Ziel. Diese Bemühungen zielen darauf ab, die Dynamik der Eurozone wieder auf eine glaubhafte Grundlage zu stellen und damit eine konkrete Konvergenz zu bewirken, an die die Märkte bereit sind zu glauben. Keine moderate politische Partei hat ein Interesse daran, dass die europäische Konstruktion scheitert und populistische Bewegungen daraus Profit schlagen. Frau Merkel muss mit ihren Juniorpartnern einen Kompromiss finden, der auf dieser Überzeugung basiert. Es sollte keinen Grund geben, warum dieser Ansatz abgelehnt werden sollte.

Wann rechnen Sie mit einem Ende des Anleihekaufprogramms der EZB?

Saint-Georges: Das werden wir sehr bald wissen. Ich würde denken, dass die EZB angesichts einer europäischen Wirtschaft, deren Wachstumsrate über dem Potenzialwachstum liegt, und angesichts einer Inflation, die – aufgrund der Erholung der Ölpreise – auch 2018 höchstwahrscheinlich nicht schwächer werden wird, wenig Rechtfertigung hat, den Bilanzabbau über einen sehr langen Zeitraum hinweg auszudehnen. Ein vernünftiger Zeitpunkt wäre wahrscheinlich die Jahresmitte oder das dritte Quartal des nächsten Jahres.

Welche Konsequenzen hätte das Ende des Anleihekaufprogramms für den Markt?

Saint-Georges: Die Tatsache, dass die EZB ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten abbauen muss, birgt das massive Risiko einer Krise auf den Anleihemärkten, einschließlich Unternehmensanleihen. Die Risikoprämie für Aktien wird weiter steigen, was sie nochmals anfälliger machen wird, insbesondere wenn es zu einer wirtschaftlichen Abschwächung kommt, was wahrscheinlich im Laufe des nächsten Jahres der Fall sein wird.

Sie sprechen in Kommentaren von einem Paradigmenwechsel beim Euro-Dollar-Wechselkurs, der erhebliche Markstörungen verursacht. Was bedeutet das alles für Ihren Fonds?*

Saint-Georges: Der Euro-Dollar-Wechselkurs könnte für Vermögensverwalter tatsächlich von strategischer Bedeutung sein. Denn fassen wir zusammen: Die US-Regierung erweist sich immer mehr als unfähig, grundlegende strukturelle Reformen umzusetzen. In China sehen wir das genaue Gegenteil, und die französisch-deutsche Verbindung hat die historische Chance, echte Reformen zur Funktionsweise der Europäischen Union auf den Weg zu bringen. Wenn sich das bestätigt, könnte der globale Status von Euro und Renminbi wachsen, und das wäre eine Herausforderung für die Dominanz des US-Dollars. Mittelfristig könnte es für die Manager von Währungsreserven bei den Zentralbanken, die Manager von Staatsfonds und allgemein für globale Vermögensverwalter entscheidend sein, ihre Währungspositionen umzuschichten.

Herr Saint-Georges, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dirk Wohleb.

*Der von der Fondsratingagentur Morningstar mit vier Sternen bewertete Mischfonds Carmignac Patrimoine, ISIN FR0010135103, erzielte in den vergangenen zehn Jahren - trotz Finanzkrise - durchschnittlich 4,9 Prozent Jahresrendite. Das sind 1,8 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der ausgewogenen Mischfonds, die bis zu 50 Prozent ihrer Mittel in Aktien investieren dürfen. Der Fonds hält derzeit zu 41 Prozent Aktien und zu 46 Prozent Anleihen investiert, sieht aber auch Währungen als Erfolgstreiber. Egal, ob als Einmalinvestment oder als Sparplan: Anteile sind über alle vier Partnerbanken von moneymeets ohne Ausgabeaufschlag erhältlich.

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