Marc Küsgen investiert seit den Neunziger Jahren an den Finanzmärkten. Im Jahr 2015 hat er sein Depot bei moneymeets eingebunden und veröffentlicht. Über die vergangenen zwölf Monate zählt er zu den Bestperformern der Community. Doch der Marathon-Läufer beweist bei Investments einen langen Atem. Er setzt vor allem auf Aktien und für seine Kinder auf ETF- und Fondssparpläne. Hier erläutert er seine Ziele, seine Strategie und den Zeitbedarf für sein Depot.

“Es begann in den 90er Jahren mit der 3sat-Börse”

Herr Küsgen, Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten 29 Prozent Rendite mit Ihren Investments erzielt und zählen damit zu den erfolgreichsten Anlegern bei moneymeets. Seit wann sind Sie an den Finanzmärkten aktiv?

Marc Küsgen: Alles begann damit, als ich in einer Wertpapierabteilung einer Bank in den 90er Jahren anfing und regelmäßig die „3sat-Börse“ verfolgt habe. Vielleicht sagt Ihnen die Sendung noch etwas? Dort stellten Experten Aktien vor. Ich versuchte, manche Strategien nachzubilden. Das klappte aber mehr schlecht als recht. Und schließlich musste ich alles verkaufen, weil ich die Liquidität für ein Eigenheim benötigt habe. Nun bin ich seit etwa vier Jahren wieder aktiv und bewege mich vor allem im Aktienhandel. Anfangs hatte ich überlegt, in ETFs oder Fonds zu investieren. Aber dann habe ich mich in Charttechnik eingelesen und entschieden es mit Aktien zu versuchen. Für meine Kinder habe ich aber in ETFs investiert, um Geld für Ihre Ausbildung zurückzulegen.

Sie haben Sie beruflich mit dem Thema Geld zu tun. Welche Person steckt hinter dem Trader?

Küsgen: Ich bin gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt mit Schwerpunkt Systeminformatik. Ich habe zwei Kinder und arbeite als Organisator für eine mittelständische Bank in Köln. Wir kümmern uns um das klassische Bankgeschäft. Also um die Finanzierung und die Beratung unserer Kunden. Das sind vor allem karitative Einrichtungen und Betreiber von Pflegeheimen und Krankenhäusern.

“Derzeit gibt es keine Alternative zu Aktien”

Vor allem das Platzen der Technologiebörse und das Ende des Neuen Marktes hat anno 2000 viele schockiert. Die Mehrheit der Deutschen scheut auch aus diesem Grund vor Aktieninvestments zurück. Warum haben Sie keine Angst vor Aktien?

Küsgen: Ich kenne Aktien seit meinem 18. Lebensjahr. Natürlich sehe ich die Risiken. Aber die Vorzüge finde ich einfach größer. Derzeit gibt es meiner Meinung nach ohnehin keine Alternative: Immobilien in Stadtlage sind zu teuer und Festgeld bringt in der Niedrigzinsphase kaum etwas! Doch die meisten Menschen haben kein Interesse sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich hatte das Glück in einer Bank zu arbeiten und habe dort viele Berührungspunkte mit dem Thema gehabt. Meiner Meinung nach müsste das Thema Finanzen ein eigenes Schulfach sein.

Wozu legen Sie Ihr Geld an. Was wollen Sie mit Ihrem Depot erreichen? Wovon träumen Sie?

Küsgen: Ich investiere vor allem für die Altersvorsorge. Zusätzlich will ich mit eigenen Depots meinen Kindern alle Möglichkeiten bei der späteren Ausbildung sichern. Mein Traum wäre ein vorzeitiger Ruhestand. Doch vor allem will ich im Alter finanziell abgesichert sein und die Zeit genießen.

“Mit Optionsscheinen und Zertifikaten habe ich mir die Finger verbrannt”

Ihr Zeithorizont ist also eher langfristig. Wie würden Sie Ihre Risikobereitschaft einschätzen?

Küsgen: Ich würde sagen, meine Risikobereitschaft ist eher hoch. Ich meide aber Optionsscheine und Zertifikate. Denn damit habe ich mir einmal die Finger verbrannt. Einzig bevor ich in den Urlaub fahre, nutze ich Hebelzertifikate, um das Depot abzusichern. Dann muss man sich nicht mehr mit der Materie beschäftigen und kann beruhigt verreisen.

Wie würden Sie einem Außenstehenden Ihre Strategie erklären?

Küsgen: Ich setze vor allem auf Aktien und wende dabei eine Trendfolgestrategie an. Das bedeutet: Die Aktie sollte über mindestens fünf Jahre einen Aufwärtstrend aufweisen, bevor ich investiere. Beim Kauf setze ich dann einen Stopp-Loss-Kurs. Diese Kurse verfolge ich über eine Watchlist. Beginnt der Kurs nach unten zu drehen, sehe ich mir das Wertpapier näher an und entscheide, ob ich den Titel halte oder verkaufe.

“In Deutschland bevorzuge ich kleinere Titel”

Gibt es spezielle Aktiensegmente, in denen Sie aktiv sind?

Küsgen: Ich habe mit deutschen Small- und Midcaps angefangen. Inzwischen liegen aber auch US-Aktien wie Visa oder Amazon im Depot. Auch wegen der Euro-Krise will ich im Dollar-Raum investiert sein. Dort kaufe ich aber nur Titel mit hohem Börsenwert, bei denen sich jeder über das Internet über Veränderungen informieren kann. In Deutschland bevorzuge ich hingegen kleinere Titel, weil diese oft fairer bewertet sind. So habe ich gerade die Technotrans AG gekauft, einen Spezialisten für die Herstellung von Kühl- und Temperierlösungen, weil ich dort Wachstumsimpulse sehe. Wenn ich investiere, muss vor allem das Geschäftsmodell stimmen und es muss nachhaltig sein. Ich will auf keinen Fall Rüstungswerte im Depot, auch wenn diese in der Vergangenheit sehr lukrativ waren.

Für welche Anleger würde sich Ihrer Meinung nach Ihre Strategie eignen?

Küsgen: Für jeden, der sich gerne mit den Themen Finanzen und Wirtschaft auseinandersetzt und eine halbe Stunde pro Tag dafür investieren möchte. Dank Smartphone kann man sich aber beispielsweise in der Mittagspause oder während der Bahnfahrt ins Büro über die Märkte informieren. Und man darf keine Angst vor Verlusten haben! Denn ein Titel kann heute schnell mal um 20 bis 30 Prozent nach unten oder oben schwanken, ohne dass es dafür wirkliche Gründe gibt. Solche Verluste muss man bei dieser Strategie aushalten können und darf dann nicht nervös werden.

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“Schwankungen sind mir vor allem bei Fondssparplänen egal”

Da Sie zu den erfolgreichsten Investoren gehören: Welche Entwicklungen erwarten Sie auf Sicht von sagen wir mal einem bis drei Jahren? Und wie positionieren Sie sich?

Küsgen: Ich bin kein Prophet. Aber ich gehe davon aus, das die niedrigen Zinsen erst einmal bleiben. Auch weil manche europäischen Länder zu hoch verschuldet sind und keine hohen Zinsen schultern können. Selbst die USA wollten die Zinsen wieder anheben. Doch tatsächlich tun sie das nur zögerlich. Daher gibt es für mich keine Alternative zu Aktien, ETFs oder Aktienfonds. Dabei sind mir Schwankungen vor allem bei den Fondssparplänen der Kinder egal, weil diese langfristig ausgelegt sind. Fondssparpläne sind ein äußerst wichtiges Thema. Denn Lebensversicherungen sind keine Alternative mehr. Die Kosten sind einfach zu hoch.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg. Und vielen Dank für das Gespräch!

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